Das Malspiel

Malort Gaildorf

 

Der Malort ist ein gerne ruhig und ein wenig abseits gelegener Malraum, der den Malenden ein Rückzugsort sein soll und der keine andere Verwendung findet, als dass darin das Malspiel stattfindet.

Die Wände sind mit Weichfaserplatten verkleidet, die mit Packpapier bezogen sind, das mit der Zeit zahllose Farbspuren zeigt und schon bei Betreten des Raumes in ein Farbmeer eintauchen lässt. An diesen Wänden wird stehend auf große Papierbögen gemalt, die bei Bedarf auch noch aneinandergesetzt werden können.

In der Mitte des Raumes befindet sich ein langer Farbpalettentisch, der für alle Malenden gut zugänglich ist. Auf ihm befinden sich 20 Farbnäpfchen mit qualitätvollen Gouachefarben und jeweils zugeordnet drei wertvolle Haarpinsel und ein Wassergläschen.

Gemalt wird in altersgemischten Gruppen von 5-10 Personen, wobei es besonders wünschenswert ist, wenn Kinder, Jugendliche und Erwachsene gemeinsam am Malspiel teilnehmen, so dass keinerlei Konkurrenzsituation entsteht, sondern eine lebendige, vielfältige Gemeinschaft, in der jeder seiner "eigenen Spur" folgen darf.

Dementsprechend gibt es auch keinerlei Motiv- oder Themenvorgaben, es geht auch nicht um Vermittlung von künstlerischen Techniken oder ästhetischen Kenntnissen, es wird weder gelobt noch kritisiert, sondern frei gemalt - sich freigemalt.

Dafür bedarf es keinerlei Vorkenntnisse, jeder startet an gleicher Stelle, nämlich bei sich selbst.

Das Malspiel ist allerdings nicht zu verwechseln mit Formen des Ausdrucksmalen, wo wild mit Farben agiert wird, um Affekten und Emotionen freien Lauf zu lassen. Solcherart Vorgehen kann in therapeutischem Rahmen angesagt sein, hat aber mit Kreativität und dem was im Malspiel geschieht nichts zu tun.

Überhaupt wird das Malspiel von jeder Form der Therapie strikt abgegrenzt. Die entstandenen Bilder werden auf keinen Fall irgendwie analysiert oder gedeutet, sondern die Malspur als natürlichste, selbstverständlichste Lebensäußerung betrachtet, die nicht der Kommunikation mit anderen dient und keiner psychologischen Entschlüsselung bedarf.

Wie bei jedem Spiel gibt es auch beim Malspiel Regeln, durch deren Einhaltung erst die spielerische Freiheit erreicht werden kann; Regeln, die das reibungslose Miteinander im Malort ermöglichen und vorallem Regeln zum sinnvollen, angemessenen Umgang mit den Malmaterialien. Durch den kontinuierlichen Umgang mit demselben Farb-und Pinselmaterial entstehen mit der Zeit durchaus Übungseffekte und quasi "maltechnisches" Können. Das Ausprobieren verschiedener Malmaterialien und -techniken dagegen wäre kontraproduktiv, denn das Ziel ist, hohe Konzentration und Vertiefung zu erreichen, in den "Malflow" zu kommen.

Dafür ist es wichtig mit einer gewissen Offenheit ans Malen zu gehen, keine "Malvorhaben" mitzubringen, keine Ansprüche an sich selbst zu haben, sondern Farbe und Pinsel einfach mal loslegen zu lassen.

Und wenn dann erstmal etwas auf dem Papier zu sehen ist, tritt das Gemalte automatisch in Kontakt zum Malenden und weiter geht´s - der eigenen Malspur folgend!

 

Und worin besteht meine Rolle als Maldienende?

Es wäre irreführend von "Malleitung" zu sprechen, weil eben nicht wie in Kunstkursen oder im schulischen Kunstunterricht "angeleitet" wird, nicht korrigiert, gewertet, kritisiert, auch nicht gelobt, sondern störungsfreies, konzentriertes Malspiel ermöglicht werden soll.

Nicht gelobt noch kritisiert zu werden ist extrem wichtig, um sich freizumachen vom Urteil anderer und aus wirklich eigener Initiative, aus sich selbst heraus schöpferisch tätig sein zu können. Das schafft in den Malenden ein stärkendes Gefühl der Selbstwirksamkeit, macht gelassen und zufrieden.

Neben "äußeren" Aufgaben wie Papierbögen aufhängen, Reißnägel versetzen, verschmierte Pinsel auswaschen, Sitzgelegenheit oder Trittleiter anbieten um die richtige Malhaltung zu gewährleisten usw. sorgt die Maldienende für eine vertrauensvolle, entspannte Atmosphäre, ermutigt gegebenenfalls zu Durchhaltevermögen, schafft ein Gefühl der Sicherheit indem sie die Einhaltung der "Spielregeln" einfordert und ist die ganze Zeit darum bemüht den Malenden den "Malflow" zu ermöglichen, ihnen eine gewisse Durchlässigkeit für die inneren Bilder zu eröffnen.

Sie kennt die immer wiederkehrenden Urformen in der Entwicklung der individuellen Bildsprache, den universellen Formenschatz, den jeder Mensch unabhängig seines Herkommens seiner Begabung oder seines Alters in sich trägt (bei Arno Stern "Formulation"genannt) und begegnet allen Bildäußerungen wertschätzend ohne sich aber über Bildinhalte zu äußern oder Fragen zum Bild zu stellen.

 

Der Malort soll ein Schutzraum sein, wo schöpferische Freiheit erlebt werden kann.